School of Languages & Linguistics Research Unit for Multilingualism & Cross-Cultural Communication (RUMACCC)

Anredeformen in einigen westeuropäischen Sprachen: Eine Untersuchung zu Sprache und sozialem Wandel.

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Conference Paper

Unser Projekt hat zum Ziel, ein einheitliches Modell des Gebrauchs von Anredeformen innerhalb von drei verwandten europäischen Sprachen - Deutsch, Französisch und Schwedisch - zu erarbeiten.

Anredeformen sind entscheidend für die zwischenmenschliche Kommunikation, da sie soziale Beziehungen und Hierarchien ausdrücken und sie zugleich beeinflussen. Die Erforschung von Anredeformen ist damit sowohl für die Sprachwissenschaft wie auch für andere Forschungsbereiche, die sich mit sozialen Strukturen und sozialem Wandel befassen, von Bedeutung.

Die meisten Sprachen verfügen über mehr als ein Anredepronomen, z.B. 'Du' und 'Sie' im Deutschen oder 'tu' und 'vous' im Französischen - daher werden sie oft als T- oder V-Pronomen bezeichnet. Welches Anredepronomen im Einzelfall verwendet wird, hängt von verschiedenen äußeren Umständen ab wie z.B. der Anzahl der angesprochenen Personen, der sozialen Beziehung zwischen SprecherIn und Angesprochenen und der Situation.

Im Besonderen soll unser Forschungsprojekt ermitteln, in welchem Umfang die soziopolitischen Ereignisse und Veränderungen der jüngsten Zeit die Sprache beeinflusst haben. Wir tun dies, indem wir untersuchen, wie sich der unmarkierte Gebrauch von Anredepronomen (d.h. das Pronomen, das normalerweise gewählt wird) seit dem 2. Weltkrieg verändert hat. Zudem vergleichen wir den Gebrauch der Pronomen in den drei Sprachen und zwischen Staaten, die dieselbe Sprache verwenden.

Die Daten für Französisch werden in Frankreich erhoben, diejenigen für Deutsch in Deutschland und Österreich und für Schwedisch in Schweden und Finnland. Die Datenerhebung erfolgt mittels Fokusgruppen, Interviews, elektronischen Diskussionsforen/Chat Rooms und einer schriftlichen Umfrage bei Firmen und Organisationen zu Richtlinien und Gebrauch von Anredeformen am Arbeitsplatz.

Bisher wurde keine verleichbare Studie durchgeführt. Das vorliegende Projekt stellt deshalb die erste größere Studie dar, die den Gebrauch von Anredepronomen in drei wichtigen europäischen Sprachen und zwei bedeutenden Sprachgruppen - der germanischen und der romanischen - innerhalb eines gemeinsamen geographischen Raums untersucht. Außerdem ist es die erste sprachübergreifende Studie, das die unmittelbare Nachbarschaft der Sprachräume in einem Gebiet Europas berücksichtigt, welches sich seit dem 2. Weltkrieg in Richtung politischer, sozialer und wirtschaftlicher Integration entwickelt hat und in dem gleichzeitig die Identifizierung mit den jeweiligen lokalen Kulturen ihre Bedeutung behalten hat.

Jede der drei untersuchten Sprachen repräsentiert im europäischen Kontext einen besonderen soziolinguistischen Typus. Sie stellen dadurch in ihren verschiedenen lokalen Kontexten einen außerordentlich nützlichen Rahmen dar für vergleichende Forschung innerhalb einer klar abgegrenzten Region.

Weitere Informationen werden wir im Laufe des Projektes hier veröffentlichen. Wenn Sie sich mit uns in Verbindung setzen möchten, wenden Sie sich bitte an Yvette Slaughter, E-mail rumaccc-info@unimelb.edu.au.

Projektleitung:Professor Michael Clyne, Dr. Leo Kretzenbacher, Dr. Catrin Norrby und Dr. Jane Warren


ForschungsassistentInnen in Australien:
Leo Conroy, Jo Hughson, Doris Schüpbach

ForschungsassistentInnen in Europa:
Kristin Gogolok (Deutschland), Emmanuelle Guérin (Frankreich), Sandra Lachmann (Deutschland), Ann Mahieu-Bottequin (Frankreich), Jenny Nilsson (Schweden), Heidi Nyblom (Finnland), Maria Weissenböck (Österreich).

Administration: Yvette Slaughter
Email: rumaccc-info@unimelb.edu.au

Voraussichtliche Projektdauer: 2003-2005


Finanzierung: Australian Research Council (Australischer Forschungsrat) ARC Discovery Grant

Das Projekt wird von RUMACCC (Forschungsstelle für Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kommunikation) in Zusammenarbeit mit den Instituten für allgemeine und angewandte Sprachwissenschaft, für Romanistik und für Germanistik und Nordistik der Universität Melbourne durchgeführt.

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